Text und Interview: Nicole Ramcke
Weltweite Konflikte, zunehmende Verdichtung der Arbeitswelt sowie die wachsende Informationsflut durch Social Media & Co.: Stress und mentale Belastungen gehören für viele Menschen zum Alltag. Wird Stress jedoch zum Dauerzustand, kann sich das auf die Gesundheit auswirken. Chronischer Stress erhöht beispielsweise das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Rückenschmerzen oder Depressionen. Aus diesem Grund hat die TK bereits 2013 erstmals einen Stressreport veröffentlicht und darin das Stressempfinden der Menschen in Deutschland untersucht.
Nach 2013, 2016 und 2021 folgte 2025 der vierte Report. Neben Stress am Arbeitsplatz beschäftigt sich der aktuelle Report auch mit den Auswirkungen von politischen und gesellschaftlichen Problemen auf die Stressbelastung.
TK-Angebote
Die TK bietet eine Vielzahl an Kursen und Apps zur Stressreduktion sowie zur Stärkung der eigenen Resilienz.
Zum Beispiel unterstützt die TK-Coach App die Versicherten mit alltagstauglichen Tipps dabei, sich mehr zu bewegen, gesünder zu essen und bewusst Zeit für Entspannung einzuplanen.
Wie sehr steht Deutschland unter Stress?
66 %
der Menschen in Deutschland fühlen sich in ihrem Alltag oder Berufsleben häufig oder manchmal gestresst.
Top 3
Belastungsfaktoren sind der hohe Anspruch an sich selbst (61 %), Schule, Studium oder Beruf (58 %) sowie politische und gesellschaftliche Probleme (53 %).
62 %
der Menschen, die sich zumindest manchmal gestresst fühlen, nannten Kriege und internationale Konflikte als Hauptbelastungsfaktor aus dem Bereich politische und gesellschaftliche Probleme.
Basis für den Report ist eine bevölkerungsrepräsentative Befragung durch das Meinungsforschungsinstitut Forsa.
Weiterführende Informationen und den gesamten Stressreport 2025 gibt es hier.
Ein großer Stressauslöser sind politische und gesellschaftliche Probleme wie zum Beispiel Kriege oder der Klimawandel. Warum beeinflussen uns externe Krisen so sehr?
Prof. Dr. Judith Mangelsdorf Gesellschaftliche Krisen erzeugen deutlich stärker ein Gefühl von Hilflosigkeit als persönliche. Der große Unterschied zwischen persönlichen Krisen, wie zum Beispiel dem Verlust des Arbeitsplatzes, und den großen politischen und gesellschaftlichen Themen ist das Kontrollerleben. Persönliche Krisen kann ich als Individuum beeinflussen und sie sind zeitlich überschaubarer. Themen wie der gesellschaftliche Rechtsruck oder der Klimawandel hingegen sind nicht in demselben Maße von mir als einzelnem Menschen beeinflussbar und häufig deutlich längerfristiger.
Was können die Menschen tun, damit Stress durch die aktuelle Weltlage nicht ihr Leben bestimmt?
Mangelsdorf Zum einen gibt es auch in diesem Bereich Möglichkeiten der Einflussnahme. Den Klimawandel werde ich als Einzelperson nicht aufhalten können. Aber ich kann mich politisch und ehrenamtlich gemeinsam mit anderen engagieren. Zum anderen ist es in unserer Zeit ständig verfügbarer Nachrichten via Internet und Smartphone besonders wichtig, immer wieder bewusst Bildschirmpausen einzulegen. Zum Beispiel durch digitale Detoxzeiten oder dadurch, dass ich Social-Media-Plattformen nur am Laptop bewusst im Browser nutze und nicht auf dem Handy.
„Gesellschaftliche Krisen erzeugen deutlich stärker ein Gefühl von Hilflosigkeit als persönliche.“
Prof. Dr. Judith Mangelsdorf ist Psychologin, Glücksforscherin und Professorin für Positive Psychologie.