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Interview Dr. Jens Baas

Vier Fragen an Dr. Jens Baas

Ihre drei Highlights mit Blick auf das vergangene Jahr?

Dr. Jens Baas Dass die TK um rund 456.000 Versicherte gewachsen ist, trotz der Anpassung des Zusatzbeitragssatzes und des schwierigen Marktumfeldes. Dass das Thema einer zukunftsfähigen Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung (endlich) stärker in der öffentlichen Diskussion ist und dass es bei der Digitalisierung des Gesundheitssystems deutliche Fortschritte gibt.

Die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) steht derzeit besonders im Fokus. Wie steht die TK da? Und was erwarten Sie von der Politik?

Baas Die Ausgaben für die medizinische Versorgung steigen weiter enorm. Da außerdem die Rücklagen der Kassen aufgrund politischer Vorgaben abgebaut wurden, mussten die Krankenkassen in den vergangenen Jahren die Zusatzbeiträge erhöhen. Dennoch steht die TK weiterhin sehr gut da. 2025 sind wir stark gewachsen und unser Zusatzbeitrag liegt deutlich unter dem Marktschnitt. Das schaffen wir vor allem aufgrund unserer niedrigen Verwaltungskosten. Das Jahr 2025 haben wir mit einem finanziellen Plus abgeschlossen und wieder Rücklagen geschaffen. Klar ist aber, dass die Politik das generelle Problem nicht weiter aussitzen kann. Zu den derzeit diskutierten kurzfristigen Lösungen, muss sie auch Antworten auf die langfristigen Probleme finden.

Das Gesundheitssystem muss so gestaltet werden, dass es die Menschen an die richtige Stelle leitet.

Dr. Jens Baas  |  Vorsitzender des Vorstands der TK

Welche weiteren Reformen sind aus Ihrer Sicht dringend nötig, um die Versorgung konkret zu verbessern?

Baas Wir müssen das Gesundheitswesen insgesamt effizienter gestalten. Patientinnen und Patienten mit einem medizinischen Problem irren derzeit in vielen Fällen durch das System. Das Gesundheitssystem muss so gestaltet werden, dass es die Menschen an die richtige Stelle leitet, egal ob Routineuntersuchung oder Notfall. Am einfachsten geht das mit einem digitalen Lotsen, der mich systematisch nach meinen Symptomen fragt und mir anschließend zuverlässig sagt, wo ich richtig aufgehoben bin. In Sachen Digitalisierung ist in den vergangenen Jahren viel passiert, das E-Rezept ist in der Versorgung angekommen, die elektronische Patientenakte ist breit gestartet. Aber viele Möglichkeiten bleiben noch ungenutzt, weil Prozesse zu kompliziert gestaltet sind oder die Daten nicht strukturiert vorliegen. Bei dem Thema darf die Politik nicht nachlassen.  Außerdem brauchen wir eine Reform der Preisbildung für neue Arzneimittel, weil die Preise für diese Medikamente in Deutschland viel zu hoch sind.

Alle reden über Künstliche Intelligenz – wo nutzt die TK KI und was ist noch geplant?

Baas KI ist für uns ein wichtiges Hilfsmittel, um Versorgung und Service für unsere Versicherten weiter zu verbessern. Schon heute unterstützt sie unsere Mitarbeitenden dabei, Anliegen schneller zu bearbeiten – so bleibt mehr Zeit für persönliche Beratung und kompliziertere Fälle. KI sortiert zum Beispiel Anfragen, hilft beim Suchen und Aufbereiten von Informationen, beim Formulieren von Texten und beim Einordnen von Unterlagen. Mithilfe von KI können wir Angebote individuell ausrichten. Versicherte erhalten so genau die Services, Informationen und Hinweise, die zu ihrer aktuellen Lebenssituation passen – ob es darum geht, wieder gesund zu werden oder Krankheiten vorzubeugen. Dabei steht der Schutz der Versichertendaten für uns an erster Stelle. Klare Leitlinien und Kontrollen sorgen dafür, dass KI sicher eingesetzt wird. Wir werden den Einsatz von KI in den nächsten Jahren weiter ausbauen und fortlaufend testen, wo wir neue Technologien für mehr Effizienz und Kundenservice einsetzen können.

Dr. Jens Baas ist Vorsitzender des Vorstands der TK.

In dieser Funktion ist der promovierte Arzt für die Unternehmensbereiche Marke und Marketing, Finanzen und Controlling, Informationstechnologie, Unternehmensentwicklung, Politik und Kommunikation sowie Verwaltungsrat und Vorstand verantwortlich.

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